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Max Munster – Bochumer KrimisDie Krimireihe von Daniel Finke: Uhlandstraße, Musiksommer und Betonlabyrinth.

Leseprobe Betonlabyrinth

Max Munster · Band 3 · erschienen am 2. November 2026

Lies hier das erste Kapitel aus der vom Autor bereitgestellten Romanfassung. Die Leseprobe endet vor Kapitel 2. Die vollständige Geschichte gibt es als E-Book und Taschenbuch.

Leseprobe als PDF herunterladen (5 Seiten, ca. 116 KB). Du kannst den Text auch direkt auf dieser Seite lesen und mit der Lesehilfe vergrößern.

Kapitel 1 – Beton

Die Universität lag nicht in der Stadt.

Sie lag über ihr.

Nicht nur topografisch. Auch in der Art, wie sie sich zeigte. Betonflächen. Brücken. Türme. Fensterbänder. Treppenachsen, die nicht einluden, sondern anwiesen. Gebäude, deren Formen nicht freundlich sein wollten, sondern eindeutig. Man musste sie nicht mögen, um zu verstehen, dass hier einmal jemand geglaubt hatte, Ordnung lasse sich groß genug bauen, damit Menschen in ihr vernünftig würden.

Max mochte solche Orte mit Vorsicht.

Nicht aus Prinzip. Eher, weil Räume, die zu sehr nach System aussahen, fast immer Stellen hatten, an denen sie logen.

Er stand am Rand der weiten Fläche vor den Gebäuderiegeln der Ruhr-Universität Bochum und sah hinauf. Der Morgen war grau genug, dass der Beton nicht einmal hässlich wirkte. Nur konsequent. Studenten liefen in schlecht koordinierten Strömen über die Freiflächen. Rucksäcke. Kaffeebecher. Kapuzen. Gespräche, die halb noch im Schlaf hingen und halb schon im Tag. Dazwischen Mitarbeiter mit Ausweisen, Lieferverkehr, Reinigung, vereinzelte Fahrräder, die in dieser Architektur immer so aussahen, als habe man sie versehentlich in ein zu großes Koordinatensystem gestellt.

Neben ihm zog Bertram den Reißverschluss seiner Jacke höher und sah nicht auf die Gebäude, sondern auf die Menschen.

„Ich hasse Unis“, sagte er.

Max ließ den Blick oben. „Sie waren noch gar nicht drin.“

„Reicht doch von außen.“

„Das ist keine belastbare Methode.“

Bertram schnaubte kurz. „Doch. Bei Architekten schon.“

Der Anruf war um 06:41 gekommen. Kein Tötungsdelikt. Noch nicht. Eine Vermisstensache mit Druck.

Ein Doktorand der Informatik. Seit der Nacht verschwunden. Letzter sicherer Kontakt im Institutsbereich. Danach noch eine fehlerhafte Zutrittsbuchung im unteren Versorgungssystem zwischen zwei Gebäudeteilen. Handy aus. Laptop nicht auffindbar. Interne Suche erfolglos. Die Universitätsverwaltung hatte erst versucht, die Sache auf Zuständigkeiten zu verteilen. Dann hatte jemand verstanden, dass ein erwachsener Mann, der mitten in einer Arbeitsnacht einfach verschwand und zugleich an Orten registriert wurde, an denen er nichts verloren hatte, nicht mehr in die Kategorie wahrscheinlich nur überarbeitet fiel.

„Name?“, fragte Bertram, während sie über den Platz gingen.

„David Levin. Neunundzwanzig. Doktorand. Informatik. Schwerpunkt Mustererkennung und Anomaliedetektion.“

„Freundin? Familie? Drogen? Schulden?“

„Noch offen. Bisher nur: hochbegabt, wenig Schlaf, zuletzt Druck im Institut.“

„Ach.“ Bertram zog die Mundwinkel nicht einmal sichtbar, aber seine Stimme tat es. „Akademiker also.“

Der Wind fuhr zwischen den Betonachsen hindurch und machte aus dem Morgen etwas Kälteres, als die Temperatur rechtfertigte. Max registrierte Türen, Nummern, Sichtlinien, Wegebeziehungen. Die Universität sprach in Raster. In Übergängen. In Wiederholung. Genau das gefiel ihm. Und genau das war das Problem. Wiederholung beruhigte nur so lange, wie sie hielt.

Vor dem Eingang warteten bereits drei Leute.

Ein Mann in dunkler Sicherheitsjacke, Ende fünfzig, Nackenziehen, professionelle Müdigkeit. Daneben ein blasser Verwaltungsbeamter mit dieser Haltung von Menschen, die glaubten, Zuständigkeit lasse sich durch korrekt getragenen Stoff herstellen. Und etwas abseits eine Frau, die still dastand, als wolle sie durch Ruhe kontrollieren, wie ernst andere wurden.

Der Sicherheitsmann trat als Erster vor. „Kriminaldauerdienst?“

„Kramer. Unisicherheit. Danke, dass Sie so schnell da sind.“

Max sah an ihm vorbei in das Gebäude. Glas, Beton, heller Flur, Kunstlicht. Menschen, die langsamer wurden, sobald sie Polizei sahen.

„Wann wurde Levin zuletzt sicher gesehen?“, fragte Max.

Die Frau antwortete, bevor Kramer es konnte.

„Um 22:43 Uhr“, sagte sie. „Im Labor.“

Ihre Stimme war ruhig. Nicht zu ruhig. Eher trainiert. Menschen, die lange in Seminarräumen gesprochen hatten, lernten irgendwann, Nervosität so zu dosieren, dass sie nicht sofort als Schwäche lesbar wurde.

„Und Sie sind?“, fragte Bertram.

„Professorin Dr. Eva Reuter. Ich leite das Projekt, in dem Herr Levin arbeitet.“

Max sah sie an. Mitte vierzig vielleicht. Klare Kleidung. Kein sichtbarer Versuch, sympathisch zu wirken. Augen, die nicht herumirrten, sondern gezielt blieben. Nicht kalt. Aber weit entfernt von offen.

„Sie haben ihn als vermisst gemeldet?“, fragte Max.

„Nein. Sein Betreuer hat zuerst versucht, ihn zu erreichen. Dann das Institut. Dann die Sicherheit. Ich habe darauf gedrängt, die Polizei zu rufen.“

„Warum?“

Sie sah ihn einen Augenblick an, als prüfe sie, wie direkt sie auf Direktheit reagieren wollte.

„Weil Herr Levin nicht unzuverlässig war“, sagte sie. „Und weil sein Zugangsausweis nach 23 Uhr an Stellen registriert wurde, an denen er nichts zu suchen hatte.“

„Wo?“

Diesmal antwortete Kramer. „Im unteren Versorgungssystem.“

Bertram sah ihn an. „Im was?“

Kramer deutete in Richtung der Gebäudeflucht. „Technische Verbindungsebenen. Versorgungsgänge. Schächte. Untere Korridore. Nicht öffentlich. Nicht für Studierende.“

Max hörte nicht nur den Satz. Er sah die Architektur plötzlich anders. Nicht mehr als Oberfläche. Als Hülle.

Oben Hörsäle, Büros, Institute, Glas, Wege, Sichtbarkeit. Unten: alles, was die Universität am Laufen hielt, ohne dass jemand darüber nachdenken sollte.

„Dann zeigen Sie es uns“, sagte er.

Kramer nickte, aber Professorin Reuter bewegte sich nicht.

„Herr Levin“, sagte sie, und zum ersten Mal war ein feiner Riss in ihrer Stimme, „hat gestern Nachmittag angedeutet, dass mit bestimmten Zugriffsprotokollen etwas nicht stimmt.“

Max blieb stehen. „Mit welchen Protokollen?“

„Das“, sagte sie, „würde ich gern drinnen erklären.“

Bertram warf ihm einen kurzen Blick zu. Nur einen.

Da war er schon. Nicht nur ein Vermisster. Ein System.

Und irgendwo unter dem Beton dieser Universität hatte in der Nacht etwas begonnen, das jetzt versuchte, wie ein Organisationsproblem auszusehen.

Der Weg ins Institut führte durch einen Flur, der wirkte, als sei er nur gebaut worden, damit Menschen den eigentlichen Gebäudeteil irgendwann endlich erreichten. Sichtbeton. Linoleumboden. Neonlicht. Türen in gleichmäßigen Abständen. Ein schwarzes Leitsystem mit weißen Zahlen, das auf den ersten Blick rational war und auf den zweiten wirkte, als sei es von Menschen entwickelt worden, die davon ausgingen, dass sich alle anderen dieselbe Übersicht verdient hatten wie sie selbst.

Max merkte schnell, dass die Universität in zwei Sprachen sprach. Eine für jene, die hierhergehörten, und eine für den Rest. Wer hier arbeitete, konnte aus Buchstaben- und Zahlencodes eine Welt lesen. Für Außenstehende blieben es Zeichen, hinter denen sich nur weitere Zeichen verbargen.

„Ist das immer so beschissen ausgeschildert?“, fragte Bertram.

Der Verwaltungsbeamte, der sich als Dezernatsleiter König vorgestellt hatte, verzog minimal das Gesicht. „Wenn man das System kennt, ist es sehr eindeutig.“

„Das sagen Leute immer nur über Dinge, die schlecht funktionieren“, sagte Bertram.

Max sagte nichts dazu. Er sah nach links in einen Seitenflur, wo sich die Achse in zwei identische Richtungen brach. Eine Putzkraft schob einen Wagen durch die Stille des Morgens, als müsse sie hier täglich beweisen, dass selbst Beton Spuren annahm.

Im dritten Stock des Instituts roch es nach Kaffee, Elektronik und der abgestandenen Luft von Räumen, die nächtelang genutzt worden waren, ohne dass jemand zwischendurch ein Fenster geöffnet hätte. Hinter einer Glasscheibe lag das Labor: Reihen von Rechnern, Kabel, Monitore, halb geleerte Flaschen, Whiteboards mit Formeln, die unter dem Kunstlicht aussahen, als hätten Menschen versucht, der Welt eine tiefere Ordnung abzuringen, und sie dabei nur vorläufiger gemacht.

Ein junger Mann mit Bart und eingefallenen Augen stand vor dem Raum und hielt eine Kaffeetasse so fest, als müsse sie mehr leisten als Koffein.

„Das ist Lukas Bernhard“, sagte Reuter. „Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Er arbeitet mit Herrn Levin.“

Bernhard nickte, ohne die Tasse zu lösen. „Polizei.“

„Man sieht’s“, sagte Bertram.

Der Mann schien nicht sicher zu sein, ob das ein Witz gewesen war. Max konnte es ihm nicht verdenken.

„Sie waren gestern Nacht hier?“, fragte Max.

„Bis wann?“

„Kurz nach elf. Vielleicht zehn nach. Ich habe nicht auf die Minute gesehen.“

„Levin?“

„Allein?“

Bernhard zögerte. Nicht lang. Nur genug, um Max aufmerksam werden zu lassen.

„Nein“, sagte er dann. „Professorin Reuter war noch da. Und…“ Er sah kurz zur Seite. „Professor Feld war vorher im Labor.“

„Vorher?“, fragte Max.

„Wer ist Professor Feld?“

„Lehrstuhl für IT-Sicherheitsstrukturen. Offiziell nicht unser Projekt, aber…” Er hob die Schulter. „Es gibt Überschneidungen.“

„Überschneidungen“, wiederholte Bertram. „Ein schönes Wort für Dinge, die hinterher Ärger machen.“

Bernhard sah ihn an, als versuche er einzuschätzen, ob Ermittler in Bochum grundsätzlich so redeten oder ob das ein persönlicher Defekt war.

„Worüber haben Levin und Feld gesprochen?“, fragte Max.

„Keine Ahnung. Ich war im Nebenraum.“

„Haben Sie Stimmen gehört? Streit?“

„Nicht Streit.“ Wieder dieses Zögern. „Eher… Druck.“

„Von wem auf wen?“

„Von Feld auf Levin.“

Professorin Reuter sagte nichts. Aber Max sah, wie sich ihre Finger einmal leicht gegeneinander schlossen.

„Warum?“, fragte er.

Bernhard trank einen Schluck, obwohl der Kaffee längst kalt sein musste. „Weil David Ergebnisse nicht freigeben wollte.“

„Welche Ergebnisse?“

„Das weiß ich nicht genau.“

Bernhard sah auf die Tasse. „Es ging um ein Modell zur Erkennung abweichender Zugriffsmuster. Ursprünglich für Netzwerksicherheit. Zumindest war das die offizielle Geschichte.“

„Und die inoffizielle?“, fragte Bertram.

Jetzt hob Bernhard endlich den Blick. „Dass man mit so etwas auch Menschen lesen kann.“

Im Raum hinter ihm summten Rechner. Nicht laut. Nur gleichmäßig genug, dass man bemerkte, wie viel Stille moderne Maschinen erzeugten, solange sie funktionierten.

„Erklären Sie das“, sagte Max.

Bernhard atmete aus. „Wenn Sie genug Bewegungsdaten, Logins, Kartenleser, Wegebeziehungen, Verweilzeiten und Geräteaktivität haben, erkennen Sie Muster. Wer wann wo ist. Wer von der Norm abweicht. Wer lügt, wenn er behauptet, woanders gewesen zu sein. Wer Routinen hat. Wer Brüche hat. Das Modell war eigentlich ziemlich gut.“

„Eigentlich?“

„David meinte irgendwann, zu gut.“

„Warum?“

Bernhard blickte kurz zu Professorin Reuter. Sie nickte kaum sichtbar. Es war keine Erlaubnis. Eher die Anerkennung, dass Verbergen jetzt nicht mehr die klügste Strategie war.

Wie geht es weiter?

Max und Bertram stehen vor einem verschwundenen Doktoranden, widersprüchlichen Zugängen und einer Universität mit eigenen Regeln. Die Leseprobe endet hier; die weiteren Ermittlungen bleiben dem Roman vorbehalten.

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Wie geht es weiter?

Die Leseprobe endet hier. Auf der Buchseite findest du Informationen zu Betonlabyrinth, den verfügbaren Ausgaben und Kaufmöglichkeiten.

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