Kapitel 1
Der Brief lag seit zwölf Minuten auf dem Tisch.
Nicht ungefähr. Nicht gefühlt. Zwölf Minuten.
Behörde, Aktenzeichen, Datum, der ganze amtliche Apparat in jener Sprache, die so tat, als entstünden Entscheidungen nicht aus Menschen, sondern aus Formularen. Max saß am kleinen Esstisch seines Apartments in Köln und sah auf das Papier, als müsste die Stadt, in die man ihn schickte, sich ändern, wenn er den Blick nur lange genug darauf hielt.
Da stand es. Nüchtern. Ohne Drama.
Er zog den Brief ein Stück näher heran, obwohl er jedes Wort bereits kannte. Nicht nur inhaltlich. Wörtlich. Zeile für Zeile.